St. Goar Mittelrhein Info Rheintouren zwischen Köln, Bonn, Koblenz, Boppard, Loreley, Bacharach, Bingen, Rüdesheim, Wiesbaden und Mainz am Rhein – Ein Internet-Reiseführer - Städte, Orte, Burgen, Sehenswürdigkeiten

Geschichte der Stadt St. Goar
Teil 5 – Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart

Die französische Herrschaft

Als in Folge der Französischen Revolution König Ludwig XVI. enthauptet worden war, verbündeten sich zahlreiche europäische Staaten zum Krieg gegen Frankreich. Nach anfänglichen Erfolgen zwang die Uneinigkeit zwischen Preußen und Österreich die deutschen Truppen zum Rückzug. Im Jahre 1794 gelang es den Franzosen bis zum linken Rheinufer vorzudringen. Bis Ende Oktober dieses Jahres war die Burg Rheinfels eine der wenigen Stützpunkte, die noch nicht eingenommen waren. Am 1. November jedoch kapitulierte der hessische Befehlshaber Resius vor der feindlichen Übermacht und räumte die Festung kampflos. Burg Rheinfels und St. Goar wurden von den französischen Revolutionstruppen besetzt.

Mit der Besatzung begann auch der Verfall der Burg Rheinfels. Nicht nur notwendige Ausbesserungen blieben aus, es traten auch Zerstörungen ein. 1796 wurde der Entschluss gefällt, die Anlage ganz zu zerstören. Ein Jahr später fand die Sprengung der Außenwerke unter der Leitung des Ingenieur-Kapitäns Charles statt. Wieder ein Jahr später wurde die Sprengung der Schlossgebäude unter Ingenieur-Kapitän Bouiller durchgeführt, der auch schon die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz gesprengt hatte.

Die besetzten Rheingebiete wurden 1798 in vier Departements aufgeteilt, wobei das Rhein-Mosel-Departement mit Sitz in Koblenz das größte war. Zu ihm gehörte auch der Kanton St. Goar innerhalb des Arrondissements Simmern. Mit dem Frieden von Lunéville wurde 1801 St. Goar mit dem linken Rheinufer Frankreich völlig einverleibt. Zu diesem Zeitpunkt war Napoleon bereits zum 1.Konsul auf Lebenszeit gewählt, was ihm faktisch die Kompetenzen eines Königs einbrachte. Die Einführung des Code Napoleon sorgte schließlich für Rechtssicherheit.

Neben den Belastungen, die die französische Besatzung bzw. Einverleibung für die Bevölkerung mit sich brachte, allen voran die Einführung des Französischen als offizielle Sprache, gab es aber auch so manche Neuerungen, die begrüßt wurden. Hierzu zählte zum Beispiel die Abschaffung des Frondienstes und der Leibeigenschaft, die Beseitigung der Steuerfreiheit und der Privilegien einzelner Stände oder die Einführung der Gewerbefreiheit. Wirtschaftlich bedeutsam für St. Goar war der Bau der Rheinuferstraße von Koblenz nach Bingen im Jahre 1803.

Die preußische Herrschaft

Das Ende der französischen Herrschaft auf der linken Rheinseite wurde eingeleitet, als in der Neujahrsnacht zum 1. Januar 1814 der preußische Generalfeldmarschall Blücher mit seinen Truppen bei dem nahe gelegenen Kaub den Rhein überschritt. Gemäß der Verträge des Wiener Kongresses wurde St. Goar mit dem linken Rheinufer bald preußisch. Die Neuregelung der preußischen Verwaltungsgebiete brachte St. Goar den Sitz eines Kreises, der rund 28 000 Einwohner zählte. Der Kreis St. Goar umfaßte den Bereich zwischen Bingerbrück und Boppard. 1818 wurde die Burgruine Rheinfels auf Abbruch verkauft. Durch die Neuordnung der Bistümer im Jahre 1821 kam St. Goar zum Bistum Trier. 1879 wurde die Kreisstadt Sitz eines Amtsgerichts.

Unter preußischer Herrschaft begann für St. Goar eine Zeit ruhiger Entwicklung. Wirtschaftlichen Aufschwung brachten vor allem der Beginn der Dampfschiffahrt ab 1825 sowie die Vergrößerung des Rheinhafens und der Bau der Eisenbahnlinie in den Jahren 1857 bis 1859. Dies hatte auch einen Anstieg der Bevölkerungszahl zur Folge. Die Enge des Raumes im Rheintal setzte einer stärkeren Erweiterung der Stadt jedoch Grenzen. Sie ließ auch die Ansiedlung größerer Industriebetriebe nicht zu.

Das 20. Jahrhundert

Nach einer über 40 Jahre dauernden Zeit des Friedens zwischen Deutschland und Frankreich brach 1914 der Erste Weltkrieg aus. Von den aus St. Goar am Rhein im Feld kämpfenden Männern kehrten 26 nicht mehr zurück. Wie schon im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 stellte sich die Stadt in den Dienst der Verwundetentransporte. Das Krankenhaus und das Gasthaus "Zur Lilie" wurden zu Lazaretten eingerichtet, die später vornehmlich zur Aufnahme von Genesenden dienten.

Am Ende des Ersten Weltkrieges waren die deutschen Truppen geschlagen und mussten den Rückzug antreten. Zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember 1918 erfolgte der Rückzug der 5. Armee über die kurz zuvor über den Rhein aufgeschlagene Pionierbrücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen. Eine Woche später folgten die Amerikaner als Besatzungsmacht in St. Goar und richteten im Hotel "Zur Lilie" ihre Militärverwaltung ein. Ende Dezember lösten die Franzosen die Amerikaner als Besatzungsmacht ab.

Das nach dem Versailler Vertrag entmilitarisierte Rheinland wurde 1936 vertragswidrig von Hitler-Deutschland besetzt. Im Zweiten Weltkrieg blieb St. Goar von Luftangriffen verschont. Bei den Kämpfen um Stadt und Kreis St. Goar gegen Ende des Krieges mussten jedoch 48 Einwohner ihr Leben lassen. Wiederum wurde die Stadt zunächst von den Amerikanern besetzt. Mit der Aufteilung Deutschlands in vier Zonen kam St. Goar zur französischen Besatzungszone. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland kam es schließlich zum neu geschaffenen Bundesland Rheinland-Pfalz.

Im Zuge der Verwaltungsreform wurden 1969 die Höhengemeinden Werlau und Biebernheim Stadtteile von St. Goar. Gleichzeitig brachte die Entscheidung für Simmern als Zentrum des neuen Rhein-Hunsrück-Kreis den Verlust des Kreissitzes für St. Goar mit sich. Seit dem 22. April 1972 bilden St. Goar, der Nachbarort Oberwesel sowie einige Höhengemeinden die Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel mit Sitz in Oberwesel.

 

Stadt Stadtporträt Stadtname Stadtwappen

Stadtrundgang St. Goar

Teil 1 - Vorgeschichte Frühgeschichte

Teil 2 -
Geschichte Mittelalter Grafen Grafschaft Katzenelnbogen

Teil 3 -
Geschichte Spätmittelalter Landgrafschaft Hessen Landgrafen Reformation Dreißigjähriger Krieg

Teil 4 -
Stadtgeschichte Landgraf Hessen-Rheinfels Neuzeit Kriege

Teil 5 -
Zeitgeschichte Napoleon preußische Herrschaft 20. Jahrhundert

Hansenorden

Teil 1 - Burg Burgruine Rheinfels Entstehung  Grafsschaft Grafen Katzenelnbogen

Teil 2 - Festung Rheinfels Landgrafen Hessen Dreißigjähriger Krieg

Teil 3 - Burg Rheinfels Landgraf Ernst Kriege Belagerungen

Teil 4 - Burg Rheinfels Zerstörung Ruine

Teil 5 - Burganlage Burg Burgruine Rheinfels

Teil 6 - Burg Rheinfels innerer Rundgang

Teil 7 - Burg Rheinfels äußerer Rundgang

Teil 8 - Burg Rheinfels Anfahrt Öffnungszeiten

Geschichte Evangelische Stiftskirche Pfarrkirche

Evangelische Stiftskirche Krypta Chor Langhaus Ausmalung Ausstattung

Geschichte Katholische Kirche Heiliger Goar Pfarrkirche

Ausstattung Katholische Kirche Flügelretabel Hochaltar Relieffigur

 

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Stand: Friday, 24. January 2014 - URL dieser Seite:http://st-goar.mittelrhein.info/rhein-zeitgeschichte/index.html