St. Goar Mittelrhein Info Rheintouren zwischen Köln, Bonn, Koblenz, Boppard, Loreley, Bacharach, Bingen, Rüdesheim, Wiesbaden und Mainz am Rhein – Ein Internet-Reiseführer - Städte, Orte, Burgen, Sehenswürdigkeiten

Geschichte der Stadt St. Goar
Teil 4 – Vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Französischen Revolution

Regierungszeit unter Landgraf Ernst von Hessen-Rotenburg-Rheinfels

Von 1649 bis 1693 war Burg Rheinfels Residenz des Landgrafen Ernst von Hessen-Rotenburg-Rheinfels. Als dieser 1652 zum katholischen Glauben übertrat, bildete sich in St. Goar am Rhein eine neue katholische Gemeinde. Zur Abhaltung ihrer Gottesdienste wurde den Katholiken zunächst die Krypta der Stiftskirche zugewiesen. Die Pfarrseelsorge übten zunächst Jesuiten, später Franziskaner aus.

1654 wurde auf Drängen Kaiser Ferdinands III. mit dem Bau eines neuen Gotteshauses außerhalb der Stadtmauern begonnen. Kurz nach der Grundsteinlegung musste der Bau bereits wieder eingestellt werden. Grund war der Einspruch der Kasseler Regierung, nach deren Meinung die Grundmauern über das vorgeschriebene Maß hinausgingen. Es sei nur eine Kapelle und keine Kirche gestattet worden. Der Streit wurde erst nach einem Jahr durch einen Schiedsspruch des Kaisers zugunsten der Katholiken beendet. 1660 konnte die neue katholische Kirche geweiht werden.

In einem Vertrag von 1654 wurde der Hauptlinie Hessen-Kassel das Besatzungsrecht der Burg Rheinfels im Kriegsfall zugesichert. Landgraf Ernst ließ die Anlage stark ausbauen. So entstanden zwischen 1657 und 1667 die Forts "Scharfeneck" und "Noli me tangere" (zu deutsch: "Rühr mich nicht an") sowie das "Neue Ravelin" und die nach ihm benannte Hohe-Ernst-Schanze", die die alten Vorwerke an Größe deutlich übertraf. Letztere bewährte sich vor allem bei der erfolgreichen Belagerung im Jahre 1692 durch Truppen vom französischen Sonnenkönig Ludwig XIV.

Handel und Gewerbe Hansenorden Handwerkerzünfte

Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt St. Goar am Rhein fußte nach dem Wegfall der Wallfahrten zum Grab des Heiligen Goar vor allem auf dem Handel mit Wein und Gerbereierzeugnissen. Zur Belebung von Handel und Gewerbe fanden in St. Goar am Rhein jedes Jahr zwei Märkte von je einer Woche Dauer statt, einer im Frühjahr und einer im Herbst. Diese wurden in einer Bestätigungsurkunde durch Kaiser Maximilian im Jahre 1495 erstmals erwähnt. Außer diesen großen Jahrmärkten durfte seit 1530 an jedem Freitag ein Wochenmarkt abgehalten werden.

1657 ließ Landgraf Ernst durch eine Verordnung neben den beiden bestehenden Jahrmärkten in St. Goar einen dritten Jahrmarkt zum Fest des Heiligen Goar am 6. Juli einrichten. 1683 stiftete er dem Hansenorden einen Becher, der heute noch bei Verhansungen zu Ehren kommt. Die ersten beiden Becher des Ordens – der erste angeblich von Kaiser Karl dem Großen und der zweite von Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz gestiftet – existieren nicht mehr.

Wie die Kaufleute im Hansenorden hatten sich auch die Handwerker in St. Goar am Rhein schon früh zu Zünften zusammengeschlossen. Eine Auflistung aus dem Jahre 1785 zeigt die große Zahl der damals vertretenen Handwerke. Zu den Berufen zählten Lohgerber, Leinweber, Weißgerber, Seiler, Färber, Nagelschmiede, Knopfmacher, Büchsenmacher, Krugbäcker, Seifensieder, Hutmacher, Perückenmacher, Kürschner, Fassbinder und viele mehr.

Kriege im 18. Jahrhundert

Seit dem Vertrag von 1654 zwischen Hessen-Rotenburg-Rheinfels und Hessen-Kassel schwelte ein Streit zwischen beiden Häusern über die Rechte an der Burg Rheinfels. Als im Zusammenhang mit dem Spanischen Erbfolgekrieg (1702 bis 1714) die Franzosen 1702 an der Mosel aufmarschiert und Ende Oktober bereits die Städte Trier und Bernkastel eingenommen hatten, bestand die Gefahr, dass sie auch Burg Rheinfels angreifen würden. Landgraf Karl von Hessen-Kassel verlangte unter Hinweis auf die bestehenden Verträge Einlass auf Burg Rheinfels für seine St. Goarer Truppen. Die Übergabe fand aber erst nach einer Beschießung statt.

Landgraf Karl bemühte sich vergeblich, den deutschen Kaiser für seine Wünsche nach dauerndem Besitz der Burg Rheinfels geneigt zu machen. Verbündete fand er jedoch in England und den Niederlanden. Als diese beiden Länder 1713 mit Frankreich den Frieden zu Utrecht schlossen, wurde in dem Friedensvertrag auch die Bestimmung aufgenommen, dass Hessen-Kassel die Burg Rheinfels und die Stadt St. Goar behalten dürfe. Doch bereits 1718 kam die Burg in den Besitz von Hessen-Rheinfels zurück. Bei einem erneuten Truppenüberfall im Jahre 1734 unter der Leitung des französischen Parteigängers Kleinholz, erfolgte wieder eine Übergabe der Burg Rheinfels an Hessen-Kassel. In einem Hausvertrag von 1754 verzichtete schließlich Hessen-Rheinfels auf seine Besatzungsrechte und trat Burg Rheinfels endgültig an Hessen-Kassel ab.

Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) konnte die französische Armee unter der Leitung des Fürsten Soubise im Jahre 1758 die Stadt St. Goar und die Burg Rheinfels kampflos einnehmen. Soubise gelang die Überrumpelung, da die Festung im schlechten Zustand und kaum mit Vorräten versehen war. Sie blieb durch die Franzosen besetzt, bis der Hubertusburger Friede 1763 den Siebenjährigen Krieg beendete. Der schlimmste Unglücksfall während dieser Zeit war der große Pulverschlag am 21.August 1759. Als die Franzosen an diesem Sommertag Pulverfässer durch St. Goar am Rhein fuhren, war ein Fass undicht. Das herauslaufende Pulver hinterließ eine lange Spur. Der Überlieferung nach soll ein Junge ahnungslos eine glühende Kohle auf den Streifen gelegt haben. Die Folgen waren fürchterlich. Durch die Explosionen wurden insgesamt 40 Häuser zerstört, darunter das Rathaus von 1332 und das Hospital. Der materielle Schaden wurde auf 42 750 Gulden geschätzt. Noch schlimmer aber war, dass 31 Menschen ihr Leben verloren. Vom Ende des Siebenjährigen Krieges sollte es rund 30 Jahre dauern, bis St. Goar erneut von französischen Truppen besetzt wurde.

Teil 5 - Zeitgeschichte Napoleon preußische Herrschaft 20. Jahrhundert

Stadt Stadtporträt Stadtname Stadtwappen

Stadtrundgang St. Goar

Teil 1 - Vorgeschichte Frühgeschichte

Teil 2 -
Geschichte Mittelalter Grafen Grafschaft Katzenelnbogen

Teil 3 -
Geschichte Spätmittelalter Landgrafschaft Hessen Landgrafen Reformation Dreißigjähriger Krieg

Teil 4 -
Stadtgeschichte Landgraf Hessen-Rheinfels Neuzeit Kriege

Teil 5 -
Zeitgeschichte Napoleon preußische Herrschaft 20. Jahrhundert

Hansenorden

Teil 1 - Burg Burgruine Rheinfels Entstehung  Grafsschaft Grafen Katzenelnbogen

Teil 2 - Festung Rheinfels Landgrafen Hessen Dreißigjähriger Krieg

Teil 3 - Burg Rheinfels Landgraf Ernst Kriege Belagerungen

Teil 4 - Burg Rheinfels Zerstörung Ruine

Teil 5 - Burganlage Burg Burgruine Rheinfels

Teil 6 - Burg Rheinfels innerer Rundgang

Teil 7 - Burg Rheinfels äußerer Rundgang

Teil 8 - Burg Rheinfels Anfahrt Öffnungszeiten

Geschichte Evangelische Stiftskirche Pfarrkirche

Evangelische Stiftskirche Krypta Chor Langhaus Ausmalung Ausstattung

Geschichte Katholische Kirche Heiliger Goar Pfarrkirche

Ausstattung Katholische Kirche Flügelretabel Hochaltar Relieffigur

 

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Stand: Friday, 24. January 2014 - URL dieser Seite:http://st-goar.mittelrhein.info/rhein-stadtgeschichte-neuzeit/index.html