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Handwerk, Handel und Gewerbe in St. Goar – Hansenorden und Handwerkerzünfte

Der heute internationale Hansenorden zu St. Goar entstand aus einer mittelalterlichen Kaufmannsgilde. Gegründet wurde er vermutlich im 13. Jahrhundert, obwohl es hierfür keinen Beleg gibt. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1460. Seinen Sitz hat der Hansenorden auf der Burg Rheinfels. Seine Funktion und seine Aufgabenbereiche haben sich bis heute grundlegend gewandelt.

Zur Belebung von Handel und Gewerbe fanden in St. Goar am Rhein jedes Jahr zwei Märkte von je einer Woche Dauer statt, einer im Frühjahr und einer im Herbst. Diese wurden in einer Bestätigungsurkunde durch Kaiser Maximilian im Jahre 1495 erstmals erwähnt. Außer diesen großen Jahrmärkten durfte seit 1530 an jedem Freitag ein Wochenmarkt abgehalten werden. 1657 ließ Landgraf Ernst durch eine Verordnung neben den beiden bestehenden Jahrmärkten in St. Goar einen dritten Jahrmarkt zum Fest des Heiligen Goar am 6. Juli einrichten.

Für die Kaufleute, die die Märkte in St. Goar am Mittelrhein besuchten, gab es strenge Verhaltensmaßregeln und feste Vorgaben für Maße und Gewichte. Sie wurden vom Hansenorden festgelegt. Diese Vereinigung hatte neben der Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Kaufleute auch die Pflege der Geselligkeit zum Ziel. Die Autorität, die der Hansenorden genoss, verhalf ihm, innerhalb des Stadtrates eine besondere Stellung einzunehmen. So war in St. Goar der stellvertretende Bürgermeister – der Stadtbürgermeister wurde von der gräflichen Verwaltung bestimmt – immer auch Marktmeister und Hansenmeister.

Für alle Kaufleute, die in St. Goar am Rhein Geschäfte machen wollten, war der Beitritt zum Hansenorden Pflicht. Freiwillig beitreten konnte aber im Prinzip jeder unbescholtene Bürger. Dem Hansenorden gehörten sogar Fürsten und gekrönte Häupter an. Voraussetzung für eine Aufnahme war, dass der Neuling zwei Paten aus dem Hansenorden stellte, die für seinen Leumund bürgten. Nach dem Verlesen der Rechte musste sich der Anwärter zwischen der Wassertaufe und der Weintaufe entscheiden. Bei der Wassertaufe wurde ihm zur Reinigung seiner Sünden Wasser über den Kopf gegossen. Bei der Weintaufe durfte er Wein aus dem Hansenbecher trinken, musste aber zusätzlich einen Obolus für die Armen der Stadt entrichten. Noch heute läuft die Hansung in der gleichen Vorgehensweise ab. Wer die Weintaufe wählt, zahlt einen festen Jahresbeitrag. Wer die Wassertaufe wählt, ist davon entbunden.

Der Hansenbecher, der bis vor wenigen Jahren bei Hansungen noch zum Einsatz kam, wurde 1683 von Landgraf Ernst von Hessen-Rotenburg-Rheinfels gestiftet. Leider wurde er 1996 aus dem Museum auf Burg Rheinfels gestohlen und konnte ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Inzwischen wird er durch eine Kopie ersetzt. Die ersten beiden Becher des Ordens – der erste angeblich von Kaiser Karl dem Großen und der zweite von Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz gestiftet – sind ebenfalls verschollen.

Im 18. Jahrhundert begann der vorläufige Niedergang des Hansenordens zu St. Goar. Die Anordnungen wurden nicht mehr ernst genommen und die Aufnahme nur noch als fröhlicher Schwank praktiziert. Während der französischen Besatzungszeit von 1794 bis 1815 war der Hansenorden verboten. In der darauffolgenden Zeit gab es nur noch wenige Hansungen. Die letzte fand 1870 statt.

Im Jahr 1932 versuchte ein junger Lehrer, dem Hansenorden neues Leben einzuhauchen. Als Hansenmeister nahm er 1935 die erste Hansung vor. Neben der Pflege des alten Brauchtums gehören laut Satzung seitdem die Erforschung des geschichtlichen Werdegangs der Heimat sowie die Erhaltung und der Ausbau der Burg Rheinfels zu den Aufgabenbereichen und Zielen des Ordens.

In der Nachkriegszeit kam die Tätigkeit der Mitglieder ins Stocken, bis 1963 durch eine neue Verfassung die Internationalität des Ordens begründet wurde. Die erste ausländische Kommende wurde 1967 in der Schweiz aus der Taufe gehoben. Inzwischen gibt es eine weitere in den USA. Mitglieder hat der Hansenorden jedoch in über 30 Ländern.

Zu den bedeutendsten Leistungen des Hansenordens in jüngerer Zeit gehört die Eröffnung einer Dioramenausstellung auf der Burg Rheinfels mit Tausenden von handbemalten Figuren. Die Ausstellung zur Weltgeschichte ist der Öffentlichkeit zugänglich.

Stadt Stadtporträt Stadtname Stadtwappen

Stadtrundgang St. Goar

Teil 1 - Vorgeschichte Frühgeschichte

Teil 2 -
Geschichte Mittelalter Grafen Grafschaft Katzenelnbogen

Teil 3 -
Geschichte Spätmittelalter Landgrafschaft Hessen Landgrafen Reformation Dreißigjähriger Krieg

Teil 4 -
Stadtgeschichte Landgraf Hessen-Rheinfels Neuzeit Kriege

Teil 5 -
Zeitgeschichte Napoleon preußische Herrschaft 20. Jahrhundert

Hansenorden

Teil 1 - Burg Burgruine Rheinfels Entstehung  Grafsschaft Grafen Katzenelnbogen

Teil 2 - Festung Rheinfels Landgrafen Hessen Dreißigjähriger Krieg

Teil 3 - Burg Rheinfels Landgraf Ernst Kriege Belagerungen

Teil 4 - Burg Rheinfels Zerstörung Ruine

Teil 5 - Burganlage Burg Burgruine Rheinfels

Teil 6 - Burg Rheinfels innerer Rundgang

Teil 7 - Burg Rheinfels äußerer Rundgang

Teil 8 - Burg Rheinfels Anfahrt Öffnungszeiten

Geschichte Evangelische Stiftskirche Pfarrkirche

Evangelische Stiftskirche Krypta Chor Langhaus Ausmalung Ausstattung

Geschichte Katholische Kirche Heiliger Goar Pfarrkirche

Ausstattung Katholische Kirche Flügelretabel Hochaltar Relieffigur

 

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Stand: Friday, 24. January 2014 - URL dieser Seite:http://st-goar.mittelrhein.info/rhein-hansenorden/index.html